KÁVÉHÁZ 19




Sitzung des

Caffè Greco

anläßlich der 19.Jahrestagung
der
literarischen Gesellschaft
für antikes Lustempfinden
während der Sarturnalien


Des fruchtbringenden Kaffeehauses

gehüteter Erzschrein


öffnet sich


allen Glöcknern und Trommlern,
Gauklern und Ketzern,
Bilderstürmern und Mythenstürzern,
Wolkenschiebern und Auterbutzen

sowie miteins der gente guapa


zur kritischen Spiegelung,
zur rauschhaften Blendung,
zum vagen Feizelwerk.



Es verschließt sich


trübsinnigen Traufmänteln,
lurchhaften Treuschen,
dem gännigen Ganhart
und dem schlöden glis glis


aber auch


den verwüsteten Gärten des Geistes,
der enthemmten Verblödung
und den Stachelgürteln gottverlassener
Frömmigkeit und Tugendstrenge


- hitherto and henceforth!




- Sein und Zeit -

2000 n. Chr. - ein Lidschlag





Tempus edax rerum
(Ovid - Metamorphosen 15, 235)

Rapiamus, amici, occasionem de die.
(Horaz, epod. 13, 3)


I

Von der Tage Anbeginn her
gibt es keine Dauer.

(Gilgamesch-Epos)


II



(Parmenides - VS 28, B 2)


III



(Parmenides - B 3)


IV



(Melissos - VS 30, B 1)


V



(Melissos - B 4)


VI



(Platon - Timaios, 27d - 28a)


VII



(Aristoteles - De anim. gen. E 778 b 5 f.)


VIII



(Aristoteles - Physik 11,219 b 1 f.)


IX

Non celabo te:
cupio, si fieri potest, propitiis auribus tuis
"essentiam" dicere; si minus, dicam et iratis.
Ciceronem auctorem huius verbi habeo,
puto locupletem.
...


Quomodo dicetur res necessaria,
natura continens fundamentum omnium ?
Rogo itaque permittas mihi hoc verbo uti.
...

Damnabis angustias Romanas, si scieris
unam syllabam esse, quam mutare non possum.
Quae sit haec, quaeris ?

(Seneca - ep. 58,6f.)


X

Omnia, Lucili, aliena sunt,
tempus tantum nostrum est.

(Sceneca - ep. 1,3)


XI

Diversum est esse et id quod est:

ipsum enim nondum est.
At vero id, quod est, accepta essendi forma,
est atque consistit.

(Boethius - De hebdomad., 8)


XII

Mit Ausnahme der Zeit werden alle Dinge
erschaffen. Zeit ist der Schöpfer und Zeit
besitzt keine Grenze, weder nach oben
noch nach unten. Sie ist schon immer
gewesen und wird für immer sein.

(Aus den Riwayat)


XIII



(Masnawi von Djalaladdin Rumi)


XIV


So erwächst denn die Aufgabe,
das Dasein als Ganzes in die Vorhabe zu stellen.
Das bedeutet jedoch:
überhaupt erstmal die Frage
nach dem Ganzseinkönnen
dieses Seienden aufzurollen.
Im Dasein steht, solange es ist,
je noch etwas aus,
was es sein kann und wird.
Zu diesem Ausstand aber
gehört das "Ende" selbst.
Das "Ende" des In-der-Welt-seins
ist der Tod.

(Heidegger - Sein und Zeit, 45)


XV


Der Tod als Ende des Daseins
ist die eigenste, unbezügliche,
gewisse und als solche unbestimmte,
unüberholbare Möglichkeit des Daseins.

(Heidegger - Sein und Zeit, 52)




Ultima Cumaei venit iam carminis aetas;
magnus ab integro saeclorum nascitur ordo.

...

Aspice convexo nutantem pondere mundum,
terrasque tractusque maris caelumque profundum
aspice, venturo laetantur ut omnia saeclo!

(Vergil - Bucolica IV, 4f.; 50ff.)


"Herr Valentin, können Sie mir vielleicht sagen,
wieviel Uhr es ist ?"

Karl Valentin: "Hörns doch auf mit der ewigen
Fragerei, Sie haben mich doch die vorige Woch'
scho amal g'fragt."


Zurück    Hauptseite    Weiter